Rente? Nein, danke!

Durch Zufall verschlug es Ernst Stötzner in jungen Jahren auf die Theaterbühne. Einmal da, wollte er nie wieder weg. Nach seinem Schauspielstudium wurde die Berliner Schaubühne für den gebürtigen Frankfurter eine Art zweite Heimat. In den 90-ern wagte sich Stötzner schließlich auch an Rollen vor der Kamera, was ihm "ziemlich viel Freude" macht, wo er sich aber bis heute unsicher fühlt. Auch im Interview wirkt der 65-Jährige eher zurückhaltend, bedächtig. Ernst Stötzner ist ein alter Hase, einer, der erst denkt, dann redet. In "Zwei Bauern und kein Land" (Freitag, 3. März, 20.15 Uhr, ARD) verkörpert er einen Landwirt in Sorgen. Und beim Thema Kleinbauern wird der Schauspieler, der nach eigenem Bekunden noch keinen Gedanken an die Rente verschwendet, schließlich doch noch emotional: "Die Kleinbauern haben keine Lobby. Die Kleinen sind Subventionssklaven, die immer dahin rennen, woher der nächste Zuschuss kommt."

teleschau: Sie werden dieses Jahr 65 - ein Alter, in dem die meisten in Rente gehen. Können Sie sich vorstellen, mit der Schauspielerei aufzuhören?

Ernst Stötzner: Nein. Das steht für mich irgendwie noch nicht so im Raum. Ich mache weiter, so lange es geht.


teleschau: Was ist schlecht und was gut am Älterwerden?


Stötzner: Man kümmert sich mehr um sich. Das ist das Gute und das Schlechte zugleich. Die Selbstsorge wird verbessert, aber die Fremdsorge verschlechtert sich. Das sich Kümmern um andere wird im Alter immer mehr vernachlässigt, weil man einfach mehr mit sich selbst beschäftigt ist.


teleschau: Ist in Ihrem Leben bisher alles so gekommen, wie Sie sich das erhofft haben?


Stötzner: Glücklicherweise habe ich mir nicht immer so wahnsinnig viel vorgestellt, sondern ich habe einfach abgewartet, was so passiert. Deswegen schaue ich immer positiv in die Zukunft und bin einfach gespannt, was das Leben noch so bringt.


teleschau: Hatten Sie schon immer den Wunsch, Schauspieler zu werden?


Stötzner: Ich kann die Geschichte so erzählen, als ob. Es gibt genügend Daten, die das belegen könnten, aber gleichzeitig war es auch einfach Schicksal. Ich hatte eine Freundin, die in einem kleinen Theater an der Garderobe gearbeitet hat. Die rief mich eines Tages an und meinte, ein Schauspieler käme nicht zur Vorstellung. Sie hätte die kleine Rolle übernehmen sollen, traute sich aber nicht. Deshalb fragte sie mich, ob ich nicht einspringen könne. Ich sagte zu und hatte prompt mein erstes Engagement (lacht). Erst einmal musste ich nur einen Satz sagen. Eine Zeitlang war ich parallel zum Studium am Theater beschäftigt, dann beschloss ich, auf eine Schauspielschule zu gehen. Die Entscheidung habe ich niemals bereut.


teleschau: Im Film "Zwei Bauern und kein Land" sind sich Vater und Sohn insofern ähnlich, dass sie selten große Worte verlieren. Ist das typisch Mann?


Stötzner: Oh ja, das sieht uns Männern doch sehr ähnlich, obwohl es natürlich Ausnahmen gibt. Diese phasenweise Kargheit im Besprechen von komplizierten Angelegenheiten, kenne ich auch von mir selbst zu gut (lacht).


teleschau: Im Film wird thematisiert, wie schwierig es für kleinere Bauernhöfe ist, rentabel zu bleiben. Denken Sie, es wird genügend für solche Betriebe getan?


Stötzner: Nicht wirklich. Die Kleinbauern haben keine Lobby. Bei uns werden vor allem Großbetriebe gefördert. Die Kleinen sind Subventionssklaven, die immer dahin rennen, woher der nächste Zuschuss kommt. Sich selber ein Reich schaffen und sich selbst etwas zu erwirtschaften, auf eine Weise, wie man es gerne hätte, das ist sehr schwierig für diese Menschen. Dafür muss man schon einen sehr eigenwilligen Kopf und auch Durchhaltevermögen haben.


teleschau: Man glaubt eigentlich, dass der Trend dahin geht, dass die Verbraucher wissen wollen, woher ihre Lebensmittel stammen ...


Stötzner: Trotzdem ist die Lobby dafür nicht stark genug. Es geht nicht nur um die Herstellung, sondern vor allem um den Vertrieb. Bei uns in Deutschland ist es leider immer noch so, dass Lebensmittel vor allem billig sein müssen. Das sind die Menschen eben gewohnt. Einen Raum zu schaffen, wo bessere Produkte für mehr Geld angeboten werden, das ist nicht so leicht. Wenn man einfach mal in einen Bio-Markt geht und die Preise mit denen vom Discounter vergleicht, hat man sofort eine Rechnung im Kopf. Trotzdem wünsche ich den Kleinbauern, dass sie Erfolg haben.


teleschau: Sie arbeiten nicht nur fürs Fernsehen, sondern vor allem auch am Theater. Was macht Ihnen mehr Freude?


Stötzner: Das kann ich nicht sagen. Theater mache ich schon sehr viel länger. Das gehört zu mir, ist mir unglaublich vertraut. Beim Theaterspielen habe ich einen Erfahrungsschatz, den ich selber gar nicht überblicke, der einfach da ist. Film mache ich wesentlich kürzer. Da staune ich immer noch hin und wieder, wie das alles so funktioniert. Die Konstellationen beim Film wechseln viel mehr. Beim Theater arbeitet man über Jahre immer mit den gleichen Leuten zusammen.


teleschau: Warum machen Sie denn beides?


Stötzner: Fernsehen macht eben auch ziemlich viel Freude (lacht). Es ist ja jetzt nicht so, dass ich da leide, im Gegenteil, es ist sehr schön, aber eben anders. Ich fühle mich da nicht so sicher. Das hört auch nie auf.


teleschau: Dieses Jahr soll auf Sky die Serie "Babylon Berlin" von Tom Tykwer gezeigt werden. Sie sind auch mit dabei ...


Stötzner: Genau, die Figur, die ich spiele, ist an eine historische Person angelehnt, an den letzten Chef der Reichswehr.


teleschau: Angeblich kostet eine Folge dieser Produktion mehr als ein "Tatort": Liegt in solchen Mammutprojekten die Zukunft?


Stötzner: Ich hoffe es. Aber das ist nicht so einfach. Diese Masse an Geld, die in solche Projekte investiert wird, wollen die Macher ja irgendwie auch wieder reinbekommen. So viel ich weiß, handhaben das Produzenten beispielsweise in Schweden so, dass sie ihre großen Projekte auch immer in Englisch produzieren, damit sie diese international verwerten können. Ob sich das in Deutschland durchsetzt, kann ich nicht sagen. Ich fürchte, insbesondere bei den derzeitigen politischen Bedingungen, wird die internationale Verwertung und Zusammenarbeit zwangsläufig schwieriger.


teleschau: Gibt es konkrete Gründe für diese Befürchtung?


Stötzner: Ja, schon. Ich habe noch die Hoffnung, dass es sich im Kultur-Bereich nicht so stark zeigt. Aber im Zusammenhang mit der ARD-Serie "Charité", in der ich mitwirke, gab es einen Neujahrsempfang an der Klinik, und die Rede, die da vom Vorstandsvorsitzenden Univ. Prof. Dr. Einhäupl gehalten wurde, hat sehr deutlich gezeigt, dass sich Schwierigkeiten in der internationalen Zusammenarbeit auftun. Konkurrenzdenken und Geheimnistuerei zwischen den Ländern nehmen offenbar wieder zu. Das sind keine guten Vorzeichen, es ist ein Schritt zurück in die Vergangenheit. Bei so etwas denke ich mir einfach nur noch, ich bin im falschen Film. Man kann nur hoffen, dass die Menschen wieder mehr zusammenarbeiten, ob nun in der Kultur, in der Medizin oder in der Politik.


Amelie Heinz
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