Ein Mädchen mit Plan

Mit ihren 23 Jahren darf man Alicia von Rittberg durchaus als erfahrene Schauspielerin bezeichnen. Die hübsche Tochter aus adeligem Münchener Haus, über das sie trotz Familienaffinität jedoch nicht gerne spricht, begann als Kinderdarstellerin beim KiKa. Mittlerweile spielt sie aber auch international an der Seite von Stars wie Brad Pitt oder Ewan McGregor. Für die ARD-Serie "Charité" (ab Dienstag, 21. März, 20.15 Uhr, ARD), in der Sönke Wortmann vom deutschen Dreikaiserjahr 1888 und von drei Nobelpreisträgern am berühmten Berliner Krankenhaus erzählt, hält von Rittberg das große Ensemble als medizinbegeisterte Heldin zusammen. In der Serie will ihre aus ärmlichen Verhältnissen stammende Figur Medizin studieren, was Frauen damals in Deutschland als einzigem "modernen" Land noch verboten war. Die talentierte Alicia von Rittberg, nebenbei schließt sie gerade ein Wirtschaftsstudium ab, wird 130 Jahre später indes kaum eine Konvention aufhalten können.

teleschau: Hatten Sie Angst davor, als junge Schauspielerin eine so wichtige Serie tragen zu müssen?

Alicia von Rittberg: "Charité" muss nicht getragen werden, weil die Serie toll geschrieben ist. Sie trägt sich quasi selbst. Wir Schauspieler fungieren da als Ensemble, denn es gibt in der Geschichte viele Hauptcharaktere.


teleschau: Was war das Anspruchsvollste an dieser Arbeit?


Alicia von Rittberg: Die Orientierung - weil ich drei Monate lang sechs Folgen durcheinander drehte. Es wird ja nicht chronologisch gedreht, das wäre ineffizient. Insofern muss man emotional immer wissen, an welcher Stelle der Geschichte man gerade ist.


teleschau: Was hat Ihnen dabei geholfen?


Alicia von Rittberg: Zum Beispiel die Tatsache, dass wir die Serie fast komplett auf einem Gelände in Prag gedreht haben. Man musste dort nie länger als fünf Gehminuten von Motiv zu Motiv zurücklegen. Es war wie ein eigenes Filmstudio. Nur dass es eben keine Kulissen, sondern echte Gebäude waren. Ich glaube, früher befand sich dort ein Lazarett. Die Torbögen waren noch so hoch, dass Kutschen durchfahren konnten. Das Set-Gelände wurde unser Zuhause. Weil alles dort Patina hatte, fühlte man sich allein deshalb schon in eine andere Zeit versetzt.


teleschau: Wenn man drei Monate historisch dreht, fängt man an, ein Stück weit in dieser Zeit zu leben, oder?


Alicia von Rittberg: Mir ging es nicht so. Ich fand es schon befreiend, abends nach Drehschluss alles fallenzulassen. Und das meine ich wörtlich. Wir drehten in sehr authentischen, alten Kostümen. Der Kostümbildnerin war es wichtig, dass wir echte Corsagen trugen. Am Anfang habe ich fast geweint, so eng waren die. Aber mit der Zeit gewöhnte man sich daran. Dann wollten wir die Corsage sogar extra enger haben. Es ist seltsam, man fühlt sich irgendwann tatsächlich gestützt dadurch. Und es war das Signal an Körper und Geist, dass ich jetzt in der Rolle bin.


teleschau: "Charité" ist kein Kostümfilm zum Wohlfühlen. Es geht um Krankheit, Dreck und Tod. Natürlich auch um den medizinischen Fortschritt. Hat Sie etwas an dieser Zeit besonders fasziniert?


Alicia von Rittberg: Mich hat fasziniert, wie normiert unsere Gesellschaft noch vor 130 Jahren war. Alles und jeder hatte seinen festen Platz. Es gab kaum Spielraum, die eigene Position zu verändern. Wir können uns das heute nicht im entferntesten vorstellen. Vor allem Frauen besaßen keinerlei Entwicklungs- oder Entscheidungsmöglichkeiten. Wenn man drei Monate - als Rolle - in dieser Welt lebt, ist man umso dankbarer für das, was sich seitdem getan hat.


teleschau: Auch für Sie hat sich mit erst 23 Jahren eine Menge getan. Nicht nur die Hauptrolle in einer der wichtigsten deutschen Serien in diesem Jahr, sondern auch internationale Kinorollen. Wie kam es dazu?


Alicia von Rittberg: Für den Kriegsfilm "Herz aus Stahl" suchte man vor drei, vier Jahren eine Deutsche in meinem Alter. Sie haben bei den Agenturen recherchiert und sind so auf mich gekommen. Dann wurde ich zum Casting eingeladen.


teleschau: Star des Films war Brad Pitt. Hatten Sie Szenen mit ihm - und wie war das?


Alicia von Rittberg: Ja, die hatte ich (lacht). Es ist natürlich ein bisschen unwirklich. Mir hat dieser Starkult jedoch nie viel bedeutet. Insofern war ich einigermaßen bei Sinnen. Gut war, dass ich Brad Pitt schon vorher bei einer Leseprobe kennengelernt habe. Wir sagten kurz "Hallo" und saßen danach zwei Stunden im Ensemble zusammen und lasen das Drehbuch. Ich konnte während dieser Zeit alles sacken lassen und mich an die Situation gewöhnen. Auch daran, dass großartige Schauspieler nun ganz normale Kollegen waren, die zusammen an einem Film arbeiten.


teleschau: Und wie war die konkrete Arbeit mit Brad Pitt?


Alicia von Rittberg: Sehr spannend, ich sprach sogar etwas Deutsch mit ihm. Er musste für die Rolle ein bisschen Deutsch lernen. Seit diesem Film bin ich in einer englischen Agentur. So hatte ich das Glück, einen weiteren internationalen Film zu drehen, den Spionagethriller "Verräter wie wir" mit Ewan McGregor. Aber wenn man international drehen will, merkt man schon, dass das Geschäft noch härter ist. Da sind dann nicht nur deutsche Frauen im Pool, sondern junge Schauspielerinnen aus aller Welt, die Englisch können.


teleschau: Wie reizvoll ist die Möglichkeit einer internationale Karriere für Sie?


Alicia von Rittberg: Ich sehe das relativ entspannt. Mich zieht es dahin, wo die schönsten Rollen zu finden sind. Ob die nun deutsch oder international sind, empfinde ich als zweitrangig. "Charité" zeigt doch, dass man auch hier tolle Sachen machen kann. Ich bin in Deutschland groß geworden und liebe dieses Land. Insofern - warum sollte ich nur nach dem suchen, was woanders zu finden ist?


teleschau: Sie drehen seit Kindertagen, entstammen jedoch keiner Schauspielerfamilie ...


Alicia von Rittberg: Nein, gar nicht. Als ich klein war, wollte ich immer Popstar werden, obwohl ich nie richtig gut singen konnte. Britney Spears war mein Vorbild (lacht). Meine Schulferien verbrachte ich meist am gleichen Ort, an dem ich immer bei einem Mitmach-Zirkus dabei war. Mit zehn oder elf wurde mir das zu langweilig. Deshalb durfte ich einen Schauspielkurs machen. Die fragten dann, ob sie mich mal zu einem Casting einladen dürfen. Ich bekam die Rolle zwar nicht, hatte aber Blut geleckt und mir in München eine Kinderagentur gesucht. Es kamen weitere Castings und erste Rollen. Insgesamt empfand ich das als ziemlich organisch. Nichts passierte Hals über Kopf. Ich hatte Zeit, mich an größere Projekte zu gewöhnen.


teleschau: Und nebenbei studieren Sie noch!


Alicia von Rittberg: Genau, ich habe nur noch ein knappes halbes Jahr. Dann bin ich fertig mit meinem Wirtschaftsstudium an der Zeppelin-Universität in Friedrichshafen. Ich lebe auch dort - in einer Studenten-WG.


teleschau: Wie kriegen Sie alles unter einen Hut. Das Studium und die langen Drehzeiten? Sie sind mittlerweile ja sehr gut beschäftigt ...


Alicia von Rittberg: Es geht, wenn man es gut organisiert. Meine Uni war sehr kooperativ. Ich durfte zum Beispiel Prüfungen im Ausland ablegen. Ich mag einfach beide Dinge - Studentin und Schauspielerin zu sein - richtig gerne. Es erfüllt mich auf unterschiedliche Art. Mir würde richtig was fehlen, wenn eine der beiden Sachen wegfallen würde. Deshalb habe ich fast ein bisschen Angst vor der Situation, wenn mein Studium bald beendet ist.


teleschau: Wie haben Sie das gemacht, studieren und drei Monate "Charité" drehen?


Alicia von Rittberg: Ich schrieb meine Prüfungen an der Uni in Prag, zeitgleich mit meinen Kommilitonen in Deutschland. Das waren schon ausgefüllte Tage. Morgens um fünf oder sechs Uhr ging es in die Maske, es folgte der Drehtag. Gegen 18 oder 19 Uhr war ich zu Hause, dann musste ich noch mal an den Schreibtisch. Das verlangte viel Disziplin, die ich ganz bestimmt nicht immer habe. Aber da musste es halt mal sein.


teleschau: Sind Sie ein sehr fleißiger oder ehrgeiziger Mensch?


Alicia von Rittberg: Ich weiß es nicht. Fleißig eher nicht. Ich brauche den Druck, um zu Form aufzulaufen. Eigentlich lasse ich die Dinge gerne schleifen und mache vieles im letzten Moment.


teleschau: Haben Sie das Studium begonnen, um ein zweites Standbein zu haben? Weil Sie der Sache mit der Schauspielkarriere nicht trauten?


Alicia von Rittberg: Nein, der Sicherheitsgedanke spielte vielleicht ein Stück weit eine Rolle. Aber viel wichtiger war mir, dass ich neben der Schauspielerei noch etwas anderes erfahre. Ich fing so früh damit an und drehte schon neben der Schule, dass ich einfach wissen wollte, was es sonst noch im Leben gibt. Ich hatte immer auch Interessen. Ich konnte mir nicht vorstellen, ab dem 18. Lebensjahr zu wissen, wie alles weitergeht. Dass ich von nun an einfach einen Dreh nach dem anderen habe.


teleschau: Was machen Sie nach dem Studium?


Alicia von Rittberg: Ich werde mich erst mal auf die Schauspielerei konzentrieren. Ich hätte aber auch Lust, selbst mal eine Geschäftsidee zu verwirklichen. An meiner Uni wird Gründungsgeist stark unterstützt. Es gibt Workshops dazu, viele meiner Kommilitonen probieren auch schon etwas im wahren Leben aus. Ich finde so etwas spannend, wenn man wirklich dahintersteht.


teleschau: Könnte es auch eine Geschäftsidee werden, die mit Film oder Schauspiel zu tun hat?


Alicia von Rittberg: Das liegt natürlich nahe, aber ich habe noch keine konkreten Pläne. Es gibt in dieser Branche sicher Lücken, die man mit kreativen Ideen füllen könnte.


teleschau: Wahrscheinlich erübrigt sich die Frage nach Hobbys ...


Alicia von Rittberg: Nein, ganz so schlimm ist es nicht. Ich habe schon auch Zeit zwischendurch. Wenn ich ein bisschen Luft habe, versuche ich meine Familie und Freunde zu sehen. Das ist mir enorm wichtig. Reisen ist eine weitere Leidenschaft von mir. Da liebe ich es, wenn es ein bisschen abenteuerlich wird. In Afrika habe ich mich verliebt. Ich hoffe, dass ich mir auch für diese Dinge in Zukunft mehr Zeit nehmen kann.


Eric Leimann
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