"Jeder Mann, der etwas auf sich hält, braucht eine starke Frau!"

Er gehört schon sehr lange zur A-Liga der deutschen Schauspieler. Dennoch ist das Dauerangebot an vielfältigen Rollen für Heino Ferch keine Selbstverständlichkeit, sondern, wie er resümiert, "ein Privileg, für das ich hart arbeiten musste". Ganz im Gegensatz zu seiner neuesten "Lieblingsrolle" Johann Friedrich von Allmen, die ursprünglich aus der Feder von Bestsellerautour Martin Suter stammt. Dessen Bücher "Allmen und das Geheimnis der Libellen" sowie "Allmen und das Geheimnis des rosa Diamanten" wurden von der ARD verfilmt (Samstag, 26. April, und Samstag, 6. Mai, Das Erste), und das Ergebnis dürfte die Fans der Suter-Romane mehr als zufriedenstellen. Die Figur dieses Mannes, der das Leben mit Leichtigkeit, statt Verzweiflung zu nehmen weiß, scheint Ferch wie auf den Leib geschrieben. Im Interview verrät der 53-Jährige, der mit seiner 13 Jahre jüngeren Frau und den beiden gemeinsamen Kindern am Ammersee lebt, wieso die meisten Deutschen sich noch eine Scheibe von Johann Friedrich von Allmen abschneiden könnten, was er bei plötzlichem Reichtum täte und warum jeder starke Mann eine starke Frau an seiner Seite braucht.

teleschau: Wieviel Heino Ferch steckt in von Allmen?

Heino Ferch: Auf jeden Fall bin ich ebenfalls ein optimistischer Mensch, und einer, der die angenehmen Seiten des Lebens genießt und zu schätzen weiß. Aber im Gegensatz zu Allmen muss ich hart dafür arbeiten.


teleschau: Woran liegt es, dass der Zuschauer von Allmen sympathisch findet, obwohl er ohne eigenes Zutun reich wurde und auf großem Fuß lebt?


Ferch: Von Allmen hat die Sympathie auf seiner Seite, und es macht großen Spaß, ihm zuzusehen, weil er das Gegenteil von dem ist , was wir alle mit unserem Streben nach political correctness und unserer Gier nach Erfolg und Geld völlig vergessen haben: Das Leben zu leben! Und zwar so, wie es sich einem bietet.


teleschau: Nun hat von Allmen sein Vermögen aber in den Sand gesetzt ...


Ferch: Ja, jetzt ist er pleite und muss aus seiner Villa in ein heruntergekommenes Gartenhaus ziehen. Aber er macht trotzdem weiter und lässt sich nicht unterkriegen. Damit verhält er sich gegenteilig zu den meisten von uns, die in diesem so biederen Deutschland darauf getrimmt sind: Es muss immer ein bisschen besser und höher, schneller, weiter gehen. Wir achten in unserer Gesellschaft auch viel zu sehr darauf, was sich gehört und was man nicht machen sollte. Wir leben angepasst - von Allmen macht sich aus alldem nichts. Er bleibt Freigeist und Lebenskünstler. Das ist der große Sympathiepunkt: Von Allmen lebt seine Leidenschaft und tut, was er möchte. Er hat einen anderen Blickwinkel aufs Leben.


teleschau: Wenn Sie über Nacht ganz viel Geld bekämen und für den Rest des Lebens ausgesorgt hätten, würden Sie aufhören zu arbeiten?


Ferch: Nein, auf keinen Fall! Ich mag meinen Beruf und liebe es, Geschichten zu erzählen. Was macht man denn, wenn man auf einmal gar nichts mehr macht? Das ist ja langweilig! Ich würde wahrscheinlich weniger arbeiten und die Dinge in meinem Leben etwas anders verlagern, aber im Grunde würde ich nicht viel ändern.


teleschau: Sie leben idyllisch mit Ihrer Familie am Ammersee mit Pferden, Lama und viel Natur - wie wichtig ist diese Basis?


Ferch: Ohne die ginge es nicht! Ich habe meine Familie auf der einen und meine Arbeit auf der anderen Seite. Diese Balance ist ganz wichtig.


teleschau: Packen Sie selbst mit an, oder wer striegelt die Pferde?


Ferch: Ich packe mit an. Das macht mir auch Spaß. Ich brauche keinen Butler!


teleschau: Wie wichtig ist es, dass Samuel Finzi die Rolle des Butlers in den "Allmen"-Filmen spielt?


Ferch: Ich habe Samuel Finzi für die Rolle vorgeschlagen, weil wir ein Jahr zuvor gemeinsam den Film "Fritz Lang" gespielt haben und uns sofort exquisit verstanden hatten. Mal abgesehen davon, ist er ein fantastischer Schauspieler. Dass er dabei ist und die Rolle spielt, ist ganz wichtig für die Atmosphäre des Films und die Zweierbeziehung. Wir hatten eine so tolle Zeit am Set, dass es ein echter Buddy-Movie wurde. Wir ergänzen uns ebenso gut wie die beiden Figuren.


teleschau: Die beiden Filme sind keine typischen deutschen Krimis, sondern erinnern mit Machart und Humor zum Beispiel an die "Ocean's Eleven"-Reihe. Braucht das deutsche Fernsehen diese Abwechslung?


Ferch: Ja! Wir sind anders. Wir haben Crime mit drin, aber verkörpern eher ein Lebensgefühl. Wir sind Detektive, aber gleichzeitig ist von Allmen ja auch selbst ein Dieb und Hochstapler - aber ein sehr sympathischer. Dass weiß ja auch die Dame an meiner Seite im Film, aber sie schickt ihn trotzdem nicht in die Wüste.


teleschau: Jojo (gespielt von Andrea Osvart) ist eine starke, schlaue Frau, die von Allmen durchschaut und ihm die Stirn bietet. Alles andere wäre für von Allmen auch langweilig, oder?


Ferch: Absolut! Jeder Mann, der etwas auf sich hält, braucht eine starke Frau, finde ich. Sonst gibt es zu große Kraftunterschiede - das mag doch keiner, oder?


teleschau: Naja, manche Männer bevorzugen weniger Widerstand.


Ferch: Eine starke Frau ist vielleicht anstrengender und die Beziehung kostet mehr Kraft, aber das Niveau ist doch viel höher. Für mich ist eine starke Frau wesentlich attraktiver.


teleschau: Sie tragen als von Allmen perfekte, maßangefertigte Kleidung. Weibliche Schauspieler nehmen gerne mal ein Lieblingsstück nach einem Film mit - Sie auch?


Ferch: Ich durfte leider gar nichts mitnehmen. Denn es gibt ja insgesamt vier Allmen-Romane von Martin Suter, und wir haben erst zwei verfilmt. Wir hoffen natürlich, dass die so gut ankommen, dass wir weitermachen und auch die anderen beiden verfilmen können. Also wurde die schicke Garderobe gut verpackt in der Hoffnung, dass wir sie nächstes Jahr wieder auspacken können. Aber ich muss zugeben, dass ich tatsächlich ein bisschen verdorben worden bin am Set und jetzt auch privat manchmal zu maßgeschneiderten Hemden mit Manschetten greife.


teleschau: Da freut sich Ihre Frau bestimmt, oder?


Ferch: Auf jeden Fall. Das ist eine Win-Win-Situation.


teleschau: Haben Sie vor dem Dreh bereits die Allmen-Romane von Suter gemocht und gelesen?


Ferch: Ja! Alle vier, noch bevor klar war, dass es Verfilmungen geben wird, geschweige denn, dass ich die Hauptrolle angeboten bekomme. Die Figur hat mich von Anfang an fasziniert, und es macht mir großen Spaß, sie zu spielen.


teleschau: Wie wichtig war es, dass Martin Suter diese Verfilmung der ersten beiden Allmen-Bücher gelobt hat?


Ferch: Mich hat es sehr gefreut, dass er die Filme als eine gelungen Umsetzung seiner Bücher empfindet. Das ist toll! Jetzt hoffen wir, dass er uns auch das Go für den dritten und vierten Teil gibt. Das würde mich wahnsinnig freuen, denn ich vermisse diesen Typen schon sehr. (lacht)


teleschau: Ist der sympathische von Allmen ein willkommener Ausgleich zum "Spuren des Bösen"-Kommissar Brock?


Ferch: Oh ja, Brock ist ein grantiger Sack! (lacht) Ich bin froh, dass diese beiden Rollen komplett auf zwei unterschiedlichen Planeten spielen.


teleschau: Geht "Spuren des Bösen" weiter?


Ferch: Ja, der sechste Teil ist vor einem Monat sehr erfolgreich im ZDF gelaufen, der siebte ist auch schon abgedreht und kommt nächstes Jahr. "Spuren des Bösen" ist nach wie vor eine tolle Reihe die einmal im Jahr in Wien gedreht wird und ein hohes Niveau hat (die Wiederholung "Spuren des Bösen: Zauberberg" von 2013 ist am Mittwoch, 26. April, 21.45 Uhr, im ZDF zu sehen, d. Red.).


teleschau: Was steht noch an?


Ferch: Der zweite Teil von Til Schweigers Film "Conni & Co" kommt am 20. April ins Kino. Darin kann ich komödiantisch sein auf eine ganz andere Art. Diese Abwechslung in meinen Rollen ist ein Privileg!


Vanessa Schwake
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