"Ich blicke zurück und sage: Das war schrecklich"

Mit seinen 58 Jahren sieht Kevin Bacon so gut aus wie nie zuvor. Mit halb geöffnetem Hemd lümmelt er sich in ein Sofa im Münchner Luxushotel Bayerischer Hof. Während draußen die Trambahn quietschend vorbeizuckelt, absolviert Bacon einen wahren Interviewmarathon. Er ist in die bayerische Landeshauptstadt gekommen, um seine neue Amazon-Serie "I Love Dick" vorzustellen (ab 9. Juni). Serienerfahrung hat Bacon bereits, der 1984 mit "Footloose" schlagartig bekannt wurde und in den 90-ern dank Filmen wie "Apollo 13" und "Sleepers" omnipräsent war im Blockbuster-Kino. "I Love Dick" aber ist anders: Die Serie über den von Bacon gespielten Künstler Dick, der das Liebesleben eines Akademikerehepaares durcheinanderbringt, wirkt wie Arthouse-Kino im Serienformat. Im Interview gibt sich Bacon gut gelaunt, aber auch nachdenklich. Er spricht über seine neue Serie und über Selbstzweifel, die ihn plagen.

teleschau: "I Love Dick" basiert auf einem feministischen Buch von 1997. Eine ungewöhnliche Vorlage für eine Fernsehserie ...

Kevin Bacon: Die Serie entfernt sich weit von dem Buch. Einige grundlegende Aspekte wurden aber beibehalten. Da ist dieser frische Blick auf weibliches Verlangen, etwas, das nicht oft beleuchtet wird, vor allem nicht aus Sicht einer Frau. Kernstück der Serie ist die spannende Frage, was sexuell passieren wird zwischen Dick und den anderen Charakteren. Das ist neu und ziemlich revolutionär für eine Serie.


teleschau: Zu revolutionär vielleicht? Wie wird "I Love Dick" im Trump-Amerika ankommen?


Bacon: "I Love Dick" ist sehr progressiv und experimentell. Die Serie geht an Grenzen, nicht nur sexuell, sondern auch im Stil. Ich hatte das Gefühl, Teil eines großen Indiefilms zu sein, der nichts für jedermann ist. Als wir die Serie erstmals auf dem Sundance Filmfestival präsentierten, kurz nach Trumps Amtseinführung, fragten wir uns schon, wie sie wohl ankommen würde. Aber dieselbe Frage hätten wir uns wohl auch gestellt, wäre eine Frau Präsidentin geworden. Manche Leute werden sie mögen, andere nicht. Ob das mit Parteipräferenzen zu tun hat, weiß ich nicht. Aber klar: Alles, was jetzt im Fernsehen passiert, wird natürlich von der politischen Warte aus betrachtet.


teleschau: Hat Hollywood überhaupt noch einen Draht zu den Menschen?


Bacon: Die Idealvorstellung sieht so aus: Hollywood versucht, die Menschen zu verstehen, empathisch zu sein und nicht in einer Blase zu leben. In der Realität sieht es so aus, dass Filme für den Mainstream gemacht werden, auf die sich jeder einigen kann. Schließlich ist Filmemachen auch ein Geschäft. Aber Film sollte auch eine Kunstform sein, und alle Kunstformen sollten Grenzen austesten. Als Jackson Pollock erstmals seine Gemälde zeigte, hielten die Menschen das für Müll. Heißt das, dass wir alle uns Gemälde von Poker spielenden Hunden in unsere Wohnungen hängen sollten? Natürlich nicht. Es muss Menschen geben, die die Grenzen dessen sprengen, was wir gewohnt sind.


teleschau: Wie hat es sich angefühlt, nach all den Hollywood-Filmen eine verhältnismäßig kleine Serie für Amazon zu drehen?


Bacon: Ich habe große Blockbuster gedreht, aber auch sehr viele Indiefilme gemacht. Als Produzent, als Regisseur, als Schauspieler. Filme, die weit außerhalb des Mainstreams stehen. Neu für mich ist, mit Amazon zu arbeiten. Heute ist es immer schwerer, kleine Filme zu machen und ein Publikum dafür zu finden. Die Leute wollen nur noch Blockbuster und Comicverfilmungen sehen. Das ist das Rückgrat der heutigen Filmindustrie. Das hat eine Lücke hinterlassen, die jetzt von Fernsehserien gefüllt wird.


teleschau: Macht Sie das traurig?


Bacon: Ja, das macht mich traurig. Ich bin nicht Schauspieler geworden, um Fernsehen zu machen. Ich habe viel im Fernsehen gespielt, als Jugendlicher war ich in einer Soap. Als ich damit fertig war, habe ich mir gesagt: Nie mehr Fernsehen! Ich wollte auf die Bühne und zum Film. Die Schauspieler, die ich damals bewunderte, kamen alle vom Theater und vom Film. Ich bin zwar dankbar, dass uns das Fernsehen heute solche Möglichkeit bietet. Da passiert zurzeit sehr viel Großartiges. Aber es macht mich auch traurig, dass manchmal nur zwei Leute im Publikum sitzen, wenn ich mir einen wirklich tollen Film im Kino anschaue.


teleschau: Hat das Kino noch Zukunft?


Bacon: Das Kino ist nicht tot. Es ist etwas Besonderes, zusammen mit anderen Menschen gemeinsam etwas zu erleben und ins Kino zu gehen. Selbst, wenn es eine doofe Komödie ist oder ein Blockbuster. Als ich ein junger Schauspieler war, gab es noch keine Videorekorder. Als VHS kam, sagte jeder, das Kino ist tot. Aber es hat überlebt.


teleschau: Dick ist eine seltsame Mischung aus Cowboy und Künstler. Was von ihm steckt in Ihnen?


Bacon: Auch in mir steckt natürlich ein Cowboy, dieses ur-amerikanische Ding. Als Junge habe ich gelernt, den harten Mann zu spielen, das hat man mir mitgegeben. Aber als Schauspieler sehe ich mich natürlich vor allem als Künstler.


teleschau: Dick wird von Selbstzweifeln geplagt. Kennen Sie das von sich selbst?


Bacon: Dick hat viele Zweifel, was sein Leben angeht. Er hat seit sieben Jahren keine Kunst mehr gemacht. Er ist nicht sicher, ob das, was er macht, gut ist. Als Künstler stellt man sich immer in Zweifel, außer man lebt in einer Art Traumwelt. Mir geht es nicht anders. Ich blicke nicht zurück und sage: Das war toll. Sondern: Das war schrecklich und peinlich.


teleschau: Wie gehen Sie damit um?


Bacon: Ich versuche, mich auf das zu konzentrieren, was vor mir liegt, und sage mir, dass meine beste Arbeit noch kommt. Ich rede mir ein, ich würde das Beste machen, das ich kann. Wenn die Leute fragen, wie es mir damit geht, sage ich: Ich tue, was ich kann, mit dem, was mir zur Verfügung steht. Mehr kann ich nicht machen.


Sven Hauberg
Was lange rockt, bleibt weiter gut: Alice Cooper gilt als Urvater des Schock-Rock. Mit "Paranormal" dockt er am 70er-Raumschiff an.
Charakterdarsteller Ulrich Tukur vollendet am 29. Juli sein 60. Lebensjahr. ONE widmet dem gefragten deutschen Ausnahmeschauspieler einen ganzen Abend.
Der "Terminator" wird 70: Im Alter entdeckt Arnold Schwarzenegger das Liberale und Sanfte ebenso wie den ironischen Blick auf sich.
"Sie hat etwas Positives, sie ist hoffnungsvoll": So umschrieb Chester Bennington die Musik seiner Band Linkin Park, die ihm zuletzt aber wohl nicht mehr half. Der Sänger wurde tot in seinem Haus in Los Angeles aufgefunden. Bennington wurde 41 Jahre alt.
Wie kein Zweiter im deutschen Unterhaltungsfernsehen versucht Michael Kessler, Menschen jenseits des Klischees nahezukommen.
Sie wurde in den 70er-Jahren als Kinderstar bekannt, ging dann weiter unbeirrt ihren Weg als Schlagermusikerin und ist nun überraschend früh verstorben: Andrea Jürgens wurde nur 50 Jahre alt.
Giuseppe Pedersoli, Sohn des vor einem Jahr verstorbenen Bud Spencer, spricht im Interview über seinen Vater.
Das Chaos kommt diesmal im Doppelpack: Nach der TV-Erstausstrahlung des Rita-Falk-Krimis "Schweinskopf al dente" folgt die Kinopremiere von "Grießnockerlaffäre" auf den Fuß - am Eberhofer Franz kommt, auch zur Freude des Schauspielers Sebastian Bezzel, in diesem Sommer keiner vorbei.
David Hasselhoff wird 65: Nach seinem Weg vom sexy US-Sehnsuchtshelden zur campy-kultigen Nostalgiefigur ist "The Hoff" noch immer der Deutschen liebste US-Ikone.
Bettina Köster, inzwischen 58, war mittendrin, als in West-Berlin "der Punk abging". Die Attitüde von damals ist noch nicht verflogen: Auch auf ihrer neuen Soloplatte "Kolonel Silvertop" lässt sie sich von niemandem etwas vorschreiben.
Meisterregisseur Luc Besson im Gespräch über "Star Wars", Inspiration und die Umsetzung seines Lebenstraums "Valerian - Die Stadt der Tausend Planeten" (Start: 20.07).
Elton wurde an der Seite von Stefan Raab bekannt. Doch während Letzterer von den Bildschirmen verschwunden ist, hat Elton sich weiter einen Namen im deutschen TV gemacht. Jetzt feiert er mit der ZDF-Quizshow "1, 2 oder 3" ein großes Jubiläum.
Bevor die "Tatort"-Pause endet, begibt sich die Wiener Kommissarin Adele Neuhauser mit "Venus im vierten Haus" in Comedy-Gefilde. Derzeit wird die ZDF-Komödie in München und Umgebung gedreht.
Nazan Eckes ist bekannt als Moderatorin, doch nun wechselt sie die Seiten: Die 41-Jährige wird in der elften Staffel "Das Supertalent" in der Jury sitzen.
Justin Bieber hat die restlichen Shows seiner aktuellen Tournee abgesagt. Die Gründe dafür bleiben im Dunkeln.
Bono und U2 zahlen den neuen Rasen des Fußballvereins Hertha BSC im Berliner Olympiastadion. Das alte Konzert hatten die Fans beim U2-Konzert zerstört.
Unheilig-Sänger Der Graf hat noch Songs für ein ganzes Album auf Lager. Einspielen will er das Material aber nicht - das sollen andere übernehmen.
Julia Roberts plant mit der Podcast-Adaption "Homecoming" gleich ihre zweite Serie in kurzer Zeit. Von der Eigenproduktion bestellte Amazon bereits jetzt zwei Staffeln.
Netflix holte für sein neuestes Filmprojekt "Bird Box" Sandra Bullock wortwörtlich ins Boot: Im postapokalyptischen Horrorthriller wird die Oscargewinnerin in einem Ruderboot ums Überleben kämpfen.
Elton ist bekannt geworden als "Show-Praktikant" in sämtlichen Sendungen von Stefan Raab. Heute steht er ohne seinen Mentor erfolgreich auf der TV-Bühne. Trotzdem haben die beiden noch Kontakt.
Bei der Daily-Soap "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" heißt es in der nächsten Woche Abschied nehmen. Denn Janina Uhse verlässt endgültig die Serie. Ihren letzten Drehtag durfte sie in Venedig verbringen.
Oliver Franck darf sich auf eine neue Aufgabe freuen. Der 42-Jährige übernimmt eine Hauptrolle in der Daily-Soap "Gute Zeiten, schlechte Zeiten".