Im Kopf des Gefahrensuchers

Für den Unterhaltungssender ProSieben war "Uncovered" im Sommer 2016 durchaus eine Art Experiment. Der offenherzig veranlagte Journalist Thilo Mischke, früher Experte für Sex- und Liebeserzählungen ("In 80 Frauen um die Welt"), beackerte mit vier Filmen besonders unangenehme Reportage-Felder. Mischke besuchte Gangs, Drogendealer oder Waffenfreaks. Und das nicht etwa in Deutschland, sondern auf unsicherem Terrain. Bei Gangs in El Salvador oder "als Gast" der japanischen Mafia zum Beispiel. Nachdem "Uncovered" mit bis zu 14,2 Prozent Marktanteil ein Hit für ProSieben wurde, reist der 36-jährige Berliner in diesem Jahr wieder gefahrensuchend um die Welt (ab Montag, 24. Juli, 21.10 Uhr, ProSieben). Mit dabei seine Freundin, mit der er arbeitet. Warum tut sich der Mann das an?

Es ist gar nicht so einfach, aus Thilo Mischke schlau zu werden. Man sitzt am Mittagstisch eines französischen Restaurants am Hamburger Hafen, und Mischke, wie gewohnt im Hipster-Outfit eines etwas reiferen Skaters, fragt höflich, ob das blubbernde Geräusch seiner E-Zigarette den Interviewer stören würde. Irgendwie bekommt man diesen freundlich verbindlichen, eher harmlos wirkenden Typen nicht zusammen mit dem, was er beruflich macht.

1981 in Ostberlin geboren, ist Mischke derzeit der "danger seeker" des deutschen Fernsehens. Für neue Folgen von "Uncovered" war er unterwegs in Nordkorea, suchte nach "Kriegstouristen" in Somalia, interviewte kurdische Peschmerga-Kämpferinnen an der Font zum IS oder bewegte sich mitten im Drogenkrieg, den der wunderliche philippinische Präsident Duterte in seinem Land ausrief. Warum nicht gleich zur Gretchenfrage des Interviews kommen? Warum nimmt Mischke in Kauf, bei seinen Recherchen ums Leben zu kommen?


"Ich glaube, ich hatte die ersten Helikopter-Eltern des Ostens", sagt er. "Als Kind war ich einen schweren Verkehrsunfall verwickelt. So etwas traumatisiert Eltern, danach wurden sie extrem vorsichtig mit mir." So berichtet Mischke, dass er als einziger Schüler seiner Klasse eine Reise nach Spanien mit dem Flugzeug statt dem Bus antreten musste. Seine Erziehungsberechtigten hatten Angst, das Straßenfahrzeug würde bei der Überquerung der Alpen ins Tal hinunterstürzen. "Später fing ich an, gefährliche Dinge zu tun, um diese Fürsorge, das Überbehütete zu überwinden und auszutricksen." Dazu kommt ein gewisser Modus, der von dem Berliner Besitz ergreift, sobald er auf Reisen ist.


"Während der Recherchen vor Ort bin ich gefahrenblind. Das heißt, ich bin mir der Gefahr zwar bewusst, spüre sie in diesem Moment aber nicht. Da habe ich eine gewisse innere Arroganz, die mir sagt: Dir passiert schon nichts!" Dennoch spürt Mischke die Gefahr, wenn sie ihm begegnet. So zum Beispiel während seines Einsatzes bei den Peschmerga im Nordirak. "Wir kamen gerade an die Frontlinie, wollten uns mit einem Vorgesetzten der Peschmerga-Kämpferinnen treffen. Die Schusswesten und Helme waren noch im Kofferraum. Da ging ein Gefecht mit Flak-Geschützen los. Das war nicht nur gefährlich, sondern ich fühlte mich danach auch seelisch wie ein Wrack. Es ist etwas anderes, ob man in der 'Tagesschau' sieht, wie geschossen wird oder ob man selbst dabei ist. Das Irrationale des Krieges wird in diesem Moment noch irrationaler."


Was den gelernten Printjournalisten nervt, ist der latente Vorwurf an sein Format, die Gefahren seien "gefaked". Für die Filme, sagt Mischke, würde niemals etwas inszeniert, keine Szene nachgestellt oder wiederholt werden. Ein fast schon puristischer Ansatz im heutigen Kampf der Medienbilder um höchstmögliche Aufmerksamkeit. Dennoch hat die Machart der ersten "Uncovered"-Folgen natürlich dazu beigetragen, dass man an deren Echtheit zweifelte. Warum zum Beispiel sollte ein japanischer Mafioso offenherzig über seine Verbrechen reden? "Ganz einfach, es ist Eitelkeit", sagt Mischke, der mittlerweile Experte für Psychogramme dieser Art geworden ist.


"Solche Leute können niemandem erzählen, was sie - in ihrem Sinne - Tolles machen. Wenn einer zuhört und sie eben nicht verurteilt, können sie nicht widerstehen und wollen sich endlich mal Dinge von der Seele erzählen." Dennoch weiß der frühere Autor von Liebes- und Sexkolumnen, der "Uncovered" auch selbst produziert, dass sein Format seriöser werden musste, wollte man sich vom Vorwurf eines nach Effekten heischenden Fernsehenproduktes "der Privaten" freischwimmen.


In der neuen Staffel will er den Geschichten mehr Zeit geben, auf überspitzte Off-Kommentare verzichten und den - ohne Zweifel - starken Bildern stärker vertrauen. Mit dem Erfolg im Rücken darf er das auch. Mischkes erste Staffel war mit durchschnittlich 11,3 Prozent Marktanteil in der anvisierten Zielgruppe 14 bis 49 Jahre ein Erfolg im auf harten, investigativen Journalismus nicht gerade spezialisierten Sender ProSieben.


Doch selbst er, der zugibt, ein Hochgefühl zu spüren, wenn sich nach einer gefährlichen Reportage die Flugzeugtür schließt und man mal wieder davongekommen ist, kennt Ängste, wenn es in die Grenzbereiche von Geschichten geht. In Somalia bot ihm ein befreundeter Kriegsfotograf an, mit einem Warlord in den "Einsatz" zu ziehen. Mischke lehnte ab. "Nur weil man weiß und sieht, wie brutal Menschen sein können, ändert das nichts an der Situation. Nur zeigen, hilft nicht. Und schon gar nicht zum Preis, meine eigene Seele dabei schwer zu verletzen." Wenn Thilo Mischke und seine Freundin, die redaktionell in seinem Team arbeitet, sich von ihren etwa 200 Tagen pro Jahr auf Reisen erholen wollen, sucht das Paar Orte auf, an denen man garantiert nichts verpasst. Die Natur Brandenburgs zum Beispiel. Auch Reiseziele in Island und Japan sorgen beim rastlosen Mischke für ein Gefühl der Ruhe.


Da frönt er dann seinen Hobbys, die so wenig zu passen scheinen, wie das zurückhaltend-höfliche Wesen zu den Krawallreportagen. In seiner Freizeit beschäftigt sich Thilo Mischke mit dem Sammeln von Insekten sowie der Fotografie von Faltern, Moosen und Flechten. Auch das Lesen "Lustiger Taschenbücher" oder "Eis essen" gehören dann zum Programm. Profane Dinge, wie Mischke sagt. Und noch etwas kommt im Gespräch am Hafen-Mittagstisch heraus. Etwas, das zeigt, dass bei Thilo Mischke die sensible Hülle und der harte Job doch irgendwie zusammenpassen.


Der "Uncovererd"- Macher erklärt, warum er die Gewalt, die er erlebt, immer wieder aktiv abschütteln muss. "Ich kann nicht arbeiten, wenn ich traurig bin", sagt Mischke. "Ich werde traurig, wenn ich die Opfer von Gewalt sehe. Ich muss meine eigenen Grenzen kennen - und die liegen eben in extremer Gewalt." Dass mit dem 36-Jährigen ausgerechnet ein erklärtes "Weichei" die derzeit härtesten Reportagen im deutschen Fernsehen macht, malt dem Genre der knochigen Kriegsreporter und knallharten Investigativ-Journalisten eine neue psychologische Facette ins Job-Profil. Eine, die sich durchaus sehen lassen kann.


Eric Leimann
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