Zwischen Kindesfrische und Meisterwissen

Wenig scheint sympathischer als ein großer Meister, der sich wie ein kleines Kind zu begeistern weiß. Luc Besson ist so einer: Schelmisch in seinen Stuhl gefläzt blickt der französische Filmemacher erwartungsfroh jene an, die ihn zu seinem neuen Werk befragen. Dass sich der Regisseur von modernen Klassikern wie "Das 5. Element" mit "Valerian - Die Stadt der Tausend Planeten" (Start: 20. Juli) sein Herzensprojekt, seinen Lebenstraum schlechthin erfüllte, merkt man in jedem Wort, in jeder Geste - und am labbrigen "Valerian"-Shirt, dass der 58-Jährige zum Interview im Berliner Luxushotel trägt. Unermüdlich und leidenschaftlich plaudert Besson über das SciFi-Spektakel als sein "Baby", das er nach Jahrzehnten als Adaption seiner Lieblingscomics endlich fürs Kino gebären konnte. Ein Gespräch mit einem Schöpfer, der Fan geblieben ist.

teleschau: Nun, da Ihr "Baby" auf der Welt ist - wann und wie wurden Sie denn eigentlich schwanger?

Luc Besson: Die Comics waren in meiner Kindheit so etwas wie ein kleiner Schatz. Aber erst später, vor 20 Jahren, fragte mich der Designer von "Das 5. Element": "Warum arbeitest du eigentlich an diesem blöden '5. Element'? Warum machst du nicht 'Valerian'?" Für mich war das, als hätte man mir vorgeschlagen, einen Film über meine Mutter zu drehen. Darüber denkt man nicht nach, es muss jemand kommen und sagen, dass das Leben der Mutter aufregend ist. Und ich dachte drüber nach.


teleschau: Warum setzten Sie die Idee damals nicht um?


Besson: Weil es unmöglich war. Es geht um zwei Charaktere - und 2.000 Aliens. Wie sollte ich das machen? Also warteten wir zehn Jahre, bis ich zunächst die Rechte kaufte. Ich sagte: Setzt mich nicht unter Druck, ich versuche, es langsam anzugehen.


teleschau: Wann realisierten Sie, dass es jetzt möglich ist, "Valerian" zu verfilmen?


Besson: Ziemlich genau, als "Avatar" in die Kinos kam. Die Technologie existierte, und James Cameron brachte sie an ihre Grenzen, reizte sie aus. Da dachte ich: Wenn einer auf dem Mond spazieren kann, kann das auch ein Zweiter. Er ebnete den Weg dafür.


teleschau: Waren Sie nicht ein wenig enttäuscht, nicht der Erste gewesen zu sein?


Besson: Nein, ich bin ein großer Fan von "Avatar"! Vor allem hinsichtlich der Technik - denn die Story erzählt ja im Grunde "Pocahontas". Damit hat "Valerian" nichts zu tun, dessen Geschichte eher eine Art "Mr. und Mrs. Smith im Weltall" erzählt. Sie sind sehr normal, keine Superhelden.


teleschau: Hatten Sie die Hauptdarsteller Dane DeHaan und Cara Delevingne dafür schon früh vor Augen?


Besson: Ich kannte Dane schon vorher - für mich ist er ohnehin der neue DiCaprio. Und das Lächeln, die blauen Augen - das konnte nur Valerian sein! Cara musste ich länger testen, hab sie ziemlich getriezt, um sicherzugehen, dass sie das auch schafft.


teleschau: Bekamen sie auch die Ursprungs-Comic zu lesen?


Besson: Ja, damit sie das Abenteuer verstehen. Ich gab den beiden auch die "Bibel" - 400 Seiten über die Raumstation "Alpha" zwischen den Jahren 1975 und 2800. Darin stehen zu jedem Charakter und jedem Alien fünf Seiten - woher sie kommen, was sie essen, wo sie zur Schule gingen.


teleschau: Lasen Sie die Vorlage auch nochmal?


Besson: Ja. Das war, als würde man in einem Haus einen Geruch wahrnehmen, der einen an das Haus der Großmutter erinnert. "Valerian" war ein Teil meiner Erziehung. Es gibt daraus für einen Zehnjährigen so viel zu lernen, so viel Unkonventionelles.


teleschau: Dennoch sind die Comics ja etwa ein halbes Jahrhundert alt. Mussten Sie etwas angleichen?


Besson: Es gab ein paar Updates, vor allem bei der Technologie. Manchmal wirkt es dennoch altmodisch. Das Gute daran ist aber, dass es sich dadurch real anfühlt. Sie haben etwa noch Anschnallgurte - ich frage mich immer, warum es die in all den Superhelden-Filmen nicht gibt! Aber die müssen ja auch nie aufs Klo. Sie sind nicht menschlich. Manche Charaktere würde ich gern anhalten und sagen, los, du gehst jetzt aufs Klo (lacht).


teleschau: Apropos: Jetzt, da der Film fertig ist - sind Sie erleichtert?


Besson: Um Erleichterung geht es gar nicht so sehr. Es ist wie mit einem Witz, den man vor dem Spiegel ausprobiert - dabei lacht man ja nicht. Erst wenn man ihn am Tisch mit Freunden erzählt, sieht man wie sie reagieren. Man wartet einfach und fragt sich: Funktioniert es? Kommen die Leute lächelnd aus den Kinos und fragen sich, wo sie eigentlich sind - dann hat es funktioniert!


teleschau: Ist es denn eine Genugtuung, dass "Valerian" nun endlich im Kino gewürdigt wird - nachdem sich "Star Wars" der Story ja ausgiebig bedient hat?


Besson: Nein, nein. George Lucas hat mit "Star Wars" Großartiges geleistet, ich liebe die Filme. Er ließ sich sicher von den "Valerian"-Comics inspirieren; zwei oder drei Dinge sind sehr ähnlich. Aber das macht noch keinen Film. Und wissen Sie was: Es ist in Ordnung so! Ich wurde auch von "Star Wars" beeinflusst.


teleschau: Können Sie ein Beispiel nennen?


Besson: "Krieg der Sterne" beginnt mit zwei Robotern, von denen einer nicht unsere Sprache spricht - das erlaubte mir 20 Jahre später in "Das 5. Element" Leeloo einzuführen, bei der das ebenso ist. Den Mut dazu hätte ich nie gehabt, wenn Lucas das nicht schon vorher gemacht hätte. Jedenfalls hat mich niemand des Ideen-Diebstahls bezichtigt. Für Künstler ist das doch völlig akzeptabel. Viele bedienen sich aus "Léon" oder "Nikita" - manche geben das offen zu, so wie Tarantino. Und ich bin glücklich, dass ich ihn inspiriert habe, wir sind Freunde!


teleschau: Dadurch wird Ihr Status als Meisterregisseur ja auch manifestiert. Glauben Sie eigentlich, mit "Valerian" nun ihr Opus Magnum geschaffen zu haben?


Besson: Nunja, lassen Sie es mich so sagen: Wenn man 18 oder 19 und sehr frisch ist, weiß man überhaupt nichts - weder über Filme noch über das Leben. Man hatte eine Freundin - und soll über Liebe reden. Im Laufe der Zeit steigt das Wissen, die Frische sinkt aber. Ich glaube, es gibt einen bestimmten Punkt in der Karriere, an dem man viel Wissen, aber auch noch genug Frische besitzt. Das ist die perfekte Phase, um das größte Werk zu kreieren, das man in seinem Leben schaffen kann. Auf "Valerian" musste ich bis zu diesem Moment warten, vor zehn Jahren hätte ich es nicht gemacht. Hätte ich allerdings noch länger gewartet, wäre die Energie dafür verloren gegangen. Es ist wie bei einem Sportler, der nur für ein oder zwei Olympische Spiele topfit ist.


teleschau: Nur dass Sie auch früher schon so einige Goldmedaillen gewannen. Im Vergleich zu Ihren anderen Meisterwerken: Wie groß war denn die Gefahr, angesichts der Größe von "Valerian" zu scheitern?


Besson: Wir reden hier über fünf Jahre, 2.000 Leute und fast 200 Millionen Dollar. Wenn du da nicht topfit bist, entspannt und auf der Höhe deines Wissens - dann stirbst du nach drei Tagen. Es ist so gigantisch. Jeden Tag, wenn ich auf die Bühne kam, sind alle ausgerastet, waren nervös und haben geschwitzt. Alle - außer die Schauspieler und ich. Mir war es scheißegal, ich war wie Buddha. Freunde, die mich einen Tag besuchten, waren völlig erschöpft danach. Ich hab das für fünf Jahre gemacht.


teleschau: Ist das Projekt für Sie damit abgeschlossen oder wünschen Sie sich Fortsetzungen, gar ein Franchise?


Besson: Geben Sie mir den Vertrag und ich unterschreibe! Wenn wir morgen einen weiteren Film drehen könnten - die beiden Hauptdarsteller wären auch dabei! Da die beiden Hauptfiguren Cops sind, kann man daraus immer wieder völlig anders geartete Fälle im Universum stricken. Das ist der Vorteil gegenüber den immergleichen Superhelden-Filmen, die auf der Erde spielen. Aber unsere Entscheidung ist es nicht, sondern die des Publikums. Ich besitze noch genug Energie, einen oder zwei weitere "Valerians" zu machen. Außerdem gibt es noch drei weitere große Ideen, die ich gern umsetzen möchte. Danach bin ich zu alt.


Maximilian Haase
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