Dinner mit David Bowie? Bloß nicht!

Zum Interviewtermin mit Bettina Köster gibt es "Kaltes, klares Wasser". Der bekannteste Song ihrer ehemaligen Band Malaria! steht sozusagen abgefüllt in Flaschen auf dem Tisch. Still, ohne Kohlensäure. Ganz und gar nicht still gibt sich die inzwischen 58-jährige Komponistin, Musikerin, Autorin und Sängerin dagegen im Gespräch. Über ihre neue Platte "Kolonel Silvertop", das Älterwerden und den Grund, warum sie eine Einladung zum Mittagessen mit David Bowie ablehnte.

Als "Grande Dame des Untergrunds" wurde sie einst bezeichnet, auch von der "Hildegard Knef des Punk" war einmal die Rede. Zwei Beinamen, mit denen Bettina Köster auch heute noch gut leben kann. Wobei sie auf eine dritte Beschreibung ihrer Person besonders stolz ist: "At the same time Grand Opera and Street Theater", so wurde sie im New Yorker Magazin "East Village Eye" umschrieben. In der amerikanischen Metropole lebte Köster 20 Jahre lang, heutzutage trifft man sie meist in Süditalien oder Berlin.

In ihrer südeuropäischen Wahlheimat fanden die ersten Sessions zu "Kolonel Silvertop" statt, fertiggestellt wurde die Platte in der wuseligen deutschen Hauptstadt. Ihr Titel hingegen hat andere Wurzeln: "Ich war auf dem Weg zu einem Konzert in Antwerpen und konnte die Halle nicht finden. Immer wieder landete ich auf der Kolonel Silvertopstraat. Und ich dachte 'Ist das ein Witz? Wie Micky-Maus-Straat?' Aber es hörte sich cool an. Major Tom, Kolonel Silvertop. Und so ist dieses Gebilde daraus entstanden." Dass hinter dem Namen auch eine reale Person in Form eines schottischen Offiziers stand, fand Köster erst hinterher raus.


Der erste Song des Albums nennt sich "1959" - das Geburtsjahr von Bettina Köster. Und ein offenherziges Statement: "Ich wollte sagen, wie alt ich jetzt bin", erklärt die einst als Subkultur-Ikone verehrte Künstlerin und erzählt gleich darauf von einer etwas skurril anmutenden Auszeichnung, die sie 2010 empfangen durfte. "Most Promising Elderly Artist" heißt sie. Köster war damals "die einzige Nominierte, weil die anderen nicht zugeben wollten, dass sie über 50 waren". Auch im Video zum aktuellen Song "Der Novak" wird der Gang der Zeit nicht übertüncht: "Ich habe Falten, ich möchte sie auch zeigen. Aber hoffentlich sind sie nicht zu schlimm. Und ich muss sagen: Seitdem ich über 50 bin, wird meine Laune immer besser."


Bei aller guten Laune spielt aber auch die Vergänglichkeit eine Rolle. So heißt es in dem Song "Silvertop": "I wanna do to you what springtime does to cherry trees". Dazu zählt Köster die Namen verstorbener Freunde auf. "Sie sagen alle 'Hallo' zu Kolonel Silvertop. Sie leben noch mit mir", erläutert sie nachdenklich. 2017 verstarb zudem Peter Sarstedt, der Komponist des Songs "Where Do You Go To (My Lovely)", welcher als Coverversion seinen Weg auf "Kolonel Silvertop" fand. Und auf einer unheimlichen Note endend, ergänzt Köster: "Und dann noch Peter Gruchot, der Fotograf für das Album: Sein Foto war das letzte, bevor er starb."


Schon etwas länger her, aber immer noch präsent, ist der Abschied von David Bowie. Ein Name, mit dem die prägende Berliner Figur Bettina Köster gerne medienwirksam in Verbindung gebracht wird. An "durchqualmte Nächten" mit Bowie und Iggy Pop erinnert die Presseinfo zum neuen Album. "Ich bin mir da nicht sicher", erklärt Köster dazu vorsichtig und überlegt dann: "Ja, ich habe ihn ein paarmal getroffen, aber man kann nicht sagen, dass wir als beste Freunde zusammen abhingen." Tatsächlich sei es sogar so gewesen, dass sie bei Bowies letztem Berlin-Konzert zum Mittagessen eingeladen wurde. Ihre Reaktion: "Nein, auf keinen Fall." Einerseits sei sie sehr scheu, renne vor solchen Situationen auch mal weg. Andererseits "möchte ich, dass meine Idole meine Idole bleiben, oder zumindest das, was sie darstellen. Es gibt oft eine Diskrepanz zwischen dem Künstler und der Kunst. Ich wollte mir immer den Blick auf die Kunst bewahren. Und muss daher die Leute gar nicht unbedingt kennenlernen."


Malaria! und Mania D, mit diesen beiden Formationen wurde Bettina Köster bekannt. Höhepunkt ihrer Karriere waren die frühen 80-er, als der große britische Radiomoderator John Peel seine "Queens Of Noise" kürte und Malaria! in Clubs wie dem legendären Studio 54 auftraten. "Das war toll", erinnert sich Köster, und gönnt es sich, etwas in Erinnerungen zu schwelgen: "Da standen 2.000 Leute davor, die rein wollten und nicht rein kamen. Nina Hagen hatte damals keine Band, also übernahmen wir das." Spezialeffekte inklusive: "In den 1930er-Jahren, als dort noch Theater gespielt wurde, war 'Frankenstein' aufgeführt worden. Bei einem Lied von uns ging dann die Lichtshow aus dieser Zeit los. Als das Monster aufwachte, mit Blitzen, mit Donner, mit Nebel - uns hatte das keiner gesagt -, das war fantastisch!"


Bleibt am Ende die Frage nach dem einen Song, welcher für immer mit den Namen Bettina Köster und Malaria! verbunden sein wird: "Kaltes, klares Wasser." Fluch oder Segen? "Segen. Wobei, einmal war es auch Fluch. Und zwar, als es die neue Version der Chicks On Speed gab", gesteht Köster und erklärt mit schonungsloser Offenheit: "Die hat mir persönlich überhaupt nicht gefallen. Auch, weil sie den Text verändert haben. Diese neuen Zeilen, das fand ich degoutant." Konsequenz: "Ich wollte mein 'OK' dazu nicht geben, wurde dann aber überredet: 'Frau Köster, da kommt ein warmer Geldsegen auf Sie zu.'" Da habe sie dann doch gedacht: "Geld? Na gut, dann sage ich mal 'ja'". Sagt es und lacht. Dieses heisere, sympathische Lachen, da ist es nochmals, verbunden mit der Bitte, am Fenster eine Zigarette rauchen zu dürfen.


Alexander Diehl
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