Plötzlich "Tatort"-Kommissarin

Lange Zeit war ihr Name von dem Harald Schmidts überdeckt. Im neuen "Schwarzwald-Tatort", über den schon lange vor Drehbeginn gesprochen wurde, sollte der bekannte Entertainer den Vorgesetzten der Kommissare spielen. Aufgrund der Personalie dachten viele, es handele sich um einen weiteren humoristischen Krimi. Weit gefehlt! Auch ohne Schmidts kurzfristige Absage wäre "Tatort: Goldbach" (Sonntag, 1. Oktober, 20.15 Uhr, ARD), der neue Krimi aus Deutschlands Südwestzipfel, ein dunkler, ernster Film geworden. Einer, bei dem Polizeiarbeit und menschliches Drama im Vordergrund stehen. Den beiden Hauptdarstellern, Eva Löbau und Hans-Jochen Wagner, gefällt dieser Ansatz sehr gut. Auch deshalb, weil die beiden mit Polizei und TV-Krimikultur bisher eher fremdelten.

Theoretisch haben in Deutschland Schauspieler - von den echten Cops abgesehen - am meisten Ahnung vom Polizeiberuf. Vom Ausbildungsstand her müssten gut gebuchte Mimen eigentlich gleich hinter den Beamten selbst kommen. Jedenfalls dann, wenn man die Häufigkeit betrachtet, mit der etablierte Schauspieler in Deutschland Polizisten verkörpern. Kurioserweise ging es ausgerechnet jener Frau, die nun die Premiumrolle deutscher Krimikunst ergattere, anders. "Ich habe mich bisher halb bewusst aus diesem Geschäft rausgehalten", sagt Eva Löbau. "Einfach weil ich dachte, es gibt schon so viele Krimis, da muss ich nicht auch noch einen drehen."

Der scheinbar achtlos hingeworfene Satz der 45-Jährigen ist fast sprichwörtlich für eine Karriere, die bislang vor allem von künstlerischen Entscheidungen geprägt war. 1972 wurde Löbau in Waiblingen geboren. In Plochingen wuchs sie auf. Das klingt nicht nur schwäbisch, sondern ist es auch. Den Dialekt sprach sie dennoch nie, was auf den Umstand zurückzuführen ist, dass ihre Eltern Österreicher sind. Bis heute besitzt Eva Löbau keinen deutschen Pass. "Natürlich habe ich in meiner Kindheit viel Schwäbisch gehört, aber es nicht gesprochen. Das sollte ich zum ersten Mal in Maren Ades 'Der Wald vor lauter Bäumen' tun. Damals brauchte ich einen Sprachtrainer, weil ich eine schwäbische Sprechhemmung hatte."


Eva Löbau lacht in der Erinnerung an das Spielfilmdebüt Maren Ades, der gefeierten "Toni Erdmann"-Regisseurin. In "Der Wald vor lauter Bäumen" spielte Löbau 2003 eine junge schwäbische Lehrerin, die ins badische Karlsruhe kommt. Der intensive Film, den man sich aufgrund des Realismus von Löbaus Spiel vor lauter Fremdschämen kaum anschauen kann, erzählt vom Scheitern einer selbstunsicheren, jungen Frau, die keiner so recht mag, obwohl sie alles dafür tut.


Maren Ade ist seit dem gemeinsamen künstlerischen Beginn zur Freundin und Beraterin Eva Löbaus geworden. Ade habe ihr dazu geraten, die "Tatort"-Rolle anzunehmen, deren Angebot Löbau erst mal ziemlich überraschte. Bislang war die 45-Jährige eher Schauspiel-Experten ein Begriff. Man sah die Wahlberlinerin im Theater oder bei künstlerisch anspruchsvollen Performances. Manchmal tauchte ihr Gesicht in pointierten Nebenrollen ("Die Mütter-Mafia") oder ambitionierten Nischenproduktionen ("Lerchenberg") des Fernsehens auf.


Nun also der "Tatort" - besetzt mit zwei eher unbekannten Charakterdarstellern, die aus Baden-Württemberg stammen und zum Polizistenberuf ein eher distanziertes Verhältnis pflegen. "Goldbach", das "Tatort"-Debüt von Löbau und Hans-Jochen Wagner, erzählt von zwei Ermittlern, die selbstverständlich Waffen tragen. Auch Im Fall selbst geht es um die Verbreitung von Schussschaffen im Alltag. Macher und Schauspieler des neuen SWR-"Tatorts" verbrachten Zeit bei der Schutzpolizei, wo man Bedienung und Regeln des gefährlichen Dienstgeräts lernte. Auch bei der Freiburger Kripo ließen sich die neuen TV-Kommissare intensiv einweisen. Dort wurde zudem das Drehbuch - sehr wohlwollend - in Hinsicht auf den Realismus der dargestellten Polizeiarbeit geprüft.


"Goldbach" beginnt damit, dass ein elfjähriges Mädchen von einem Schießeisen schwäbischer Herstellung getötet wird, das einem geheimen Waffenlager im Wald entstammt. Über die folgenden knapp anderthalb Stunden sieht der Zuschauer den Kommissaren dabei zu, wie diese ernsthaft ihrer Arbeit nachgehen und angefasst, aber auch erfreulich zurückhaltend, ein menschliches Drama begleiten. "Gerade weil ich niemals im Leben darüber nachdachte, Polizistin oder Ermittlerin zu werden, fand ich es wichtig, mich intensiv mit diesem Beruf, in dem man so viel Leid sieht, zu beschäftigen", sagt Löbau.


Zur Vorbereitung habe sie sich sehr viel von der britischen Krimiserie "Scott & Bailey" angeschaut, sagt sie, in der intensiver als in anderen Formaten Polizeivorgänge und Arbeitsweisen dargestellt würden. "Wenn man schon Krimi macht, wollte ich wissen, wie sich Polizisten in Situationen, in die wir laut Drehbuch geraten, wirklich verhalten. Es gibt sehr strenge Regeln: Wie man seine Waffe zu welchem Zeitpunkt anfassen darf. Wie man sich einem Verdächtigen gegenüber verhalten muss." Beim Film vergäße man oft, so Löbau, wie entscheidend das Verhalten der Polizei für den Ausgang eines Prozesses ist. "Wenn sich die Polizei nicht korrekt verhält, beeinträchtigt dies den Ausgang des Prozesses. Dann kann jemand, der eine Straftat begangen hat, freigesprochen werden. Solche Dinge, über die in Krimis selten gesprochen wird, interessieren mich".


Fast könnte man sagen, Eva Löbau bleibt auch nach ihrem Aufstieg in den Krimi-Olymp des "Tatort" jener Schauspiel-Nerd, der sie schon immer gewesen ist. Eine Frau mit besonderer Ausstrahlung. Eine, die man nicht so recht einordnen kann, weil ihre Kunst eine fast unscheinbare, aber intensive Natürlichkeit aufweist. Löbaus Spiel wirkt berührbar und verletzlich. Es erzeugt Nähe, ob man sie will oder nicht.


Ein wenig besorgt gesteht Eva Löbau, im Freundes- und Bekanntenkreis habe man ihr zum Abend des 1. Oktober das Ende ihrer Privatsphäre prophezeit. Darüber lacht sie ein bisschen verunsichert zum Ende des Interviews, das im gerade unbesetzten Büro eines Hamburger Programmkinos stattfindet.


"Ich glaube nicht wirklich, dass es so kommt", sagt die wegen ihres Lebensgefährten zwischen Karlsruhe und Berlin pendelnde Schauspielerin. "Es gibt doch schon so viele "Tatort"-Kommissare, dass es fast egal ist, wenn jetzt noch ein weiterer kommt." Wenn sie sich da mal nicht täuscht. Eva Löbau und Hans-Jochen Wagners Debüt "Goldbach" ist einer der besten Filme der Krimi-Reihe, die es in diesem Jahr zu sehen gibt.


Eric Leimann
Saskia Vester spielt in "Das Kindermädchen: Mission Mauritius" eine Leihoma. Im Interview berichtet sie von den Dreharbeiten bei 40 Grad, ihrem Enkelkind und den harten Seiten des Jobs.
"Aktenzeichen XY ... ungelöst", eines der großen alten TV-Formate der Deutschen, wird 50 Jahre alt. Rudi Cerne hat immer hin 15 davon aus nächster Nähe gesehen. Wie lebt es sich mit dem Verbrechen?
Ohne Fleiß kein Preis: Für die Gesellschafts-Satire "The Square" hat Regisseur Ruben Östlund seinen Hauptdarsteller Claes Bang ordentlich ackern lassen: Zur Belohnung gab es einen Ausflug nach Cannes und die "Goldene Palme".
In der dreistündigen Mini-Serie "Bruder - Schwarze Macht" spielt Sibel Kekilli eine Polizistin zwischen den Welten.
In der fantastischen ARD-Miniserie "Das Verschwinden" spielt Julia Jentsch eine Mutter, die nach ihrer in der bayerischen Provinz abhanden gekommenen Tochter sucht. Nicht nur ein Ausnahme-Krimi, sondern auch ein Ausnahme-Drama.
Ein Werk für Analysen im Deutsch-Leistungskurs? Kettcar-Sänger Marcus Wiebusch über "Ich vs. Wir", eines der wichtigsten politischen Alben, die man in letzter Zeit aus Deutschland hören durfte.
Er lehrte James Bond die Ironie - und blieb auch nach seiner Zeit als 007 ein wahrer Gentleman: Roger Moore, der im Mai dieses Jahres verstarb, wäre am 14. Oktober 90 Jahre alt geworden.
Die 21-jährige Berlinerin ist eines der interessantesten neuen Gesichter des deutschen Films.
Er dreht mit Isabelle Huppert, Michael Haneke und Terrence Malick: Für Franz Rogowski könnte es beruflich derzeit nicht besser laufen. Macht das den 31-jährigen Schauspiel-Superstar auch glücklich? Schwierige Frage, findet er ...
Was tut man gegen einen "freundlichen Stalker", der juristisch nicht belangt werden kann? Ein kluger ZDF-Psychothriller denkt dieses Szenario perfide und überaus spannend durch.
Die schwedische Schauspielerin Noomi Rapace ist längst ein internationaler Kinostar. In "What Happened To Monday" spielt sie gleich sieben Mal die Hauptrolle.
Für die deutsche Mega-Serie "Babylon Berlin" tauchte Volker Bruch ("Unsere Mütter, unsere Väter") tief in die ruppig lebendige Metropole des Jahres 1929 ein. Ein Erfahrungsbericht.
Ende Oktober wird Schauspieler Carsten Spengemann erstmals ein NFL-Spiel kommentieren. Football-Erfahrung bringt der 45-Jährige reichlich mit.
Superstar Jennifer Lawrence erinnert sich an einen Nackt-Casting-Vorfall aus ihren Karriereanfängen. Der Bericht wirft ein weiteres Schlaglicht auf ruchlose Praktiken in Hollywood.
Beim Cast von "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" wird geheiratet: Nachdem vor einem Monat Felix von Jascheroff vor dem Traualtar stand, hat nun auch Iris Mareike Steen "Ja" gesagt.
Frank Buschmann wurde via Twitter aufs Übelste beschimpft. Er setzt sich dagegen zur Wehr.
Für ihren neuen Bildband hat sich Micaela Schäfer von 31 Fotografen ablichten lassen.
Veronica Ferres ehelicht Didi Hallervorden des Geldes wegen: Im SAT.1-Film "Lüg' mich an und ich heirate dich" trickst sich das "Superweib" als Heiratsschwindlerin durch.
Seit 40 Jahren beglückt er die Schlagerfans: Eine neue WDR-Dokumentation blickt nun auf die dramatische Lebensgeschichte von Schlagerstar Roland Kaiser.
Für den Ironman tauschte Thorsten Schröder Anzug und Krawatte gegen ein Sportlerdress - mit Erfolg.
Jon Snow und Ygritte oder besser gesagt Kit Harington und Rose Leslie werden heiraten. Jetzt sagt der nächste "Game of Thrones"-Star Ja: Sophie Turner hat sich mit Joe Jonas verlobt.
Moderatorin Gülcan Kamps wirbt für eine Fluglinie und den Sender sonnenklar.tv für die deutsch-türkische Freundschaft - und Tourismusbranche.