Straßenmädchen mit Engelsgesicht

In "Ellas Baby" (Freitag, 13. Oktober, 20.15 Uhr, ARD), einem der schönsten deutschen Coming-of-Age-Filme der letzten Jahre, spielt Tijan Marei eine 16-Jährige, die eine ungeplante Schwangerschaft durchziehen will. Dabei nimmt die gerade 21 Jahre alte gewordene Hauptdarstellerin den Zuschauer noch mehr gefangen als ihre etablierten und ebenfalls sehr stark spielenden Co-Stars: Benno Fürmann in der Rolle des Vaters und Katharina Schüttler als dessen neue Partnerin, die schon lange vergeblich an einer eigenen Schwangerschaft arbeitet. Doch wer ist diese junge Hauptdarstellerin mit dem seltsamen Namen, die in "Ellas Baby" ihre erste große Hauptrolle spielt?

"Tischaaahn" - mit sehr lang gezogenem "a"! - So spricht man sie also aus. Die Betonung auf der zweiten Silbe, eine eher undeutsche Eigenart, kennzeichnet auch sonst die Sprache der Tijan Marei. Dass sie ein bisschen klingt, als würde sie neben Deutsch vielleicht eine andere Sprache als Muttersprache vorweisen können, habe sie schon öfter gehört. Vielleicht läge das an ihrem Spanisch sprechenden Stiefvater, mit dem sie aufgewachsen sei.

Trotzdem ist Tijan Marei gebürtige Berlinerin und derzeit eine der am heißesten gehandelten Jungdarstellerinnen des deutschen Films. Ihre Familie stammt aus dem Kaukasus, die Vorfahren waren Tscherkessen. Tijans Großeltern, ein Ärzte-Ehepaar, wanderte über die Türkei nach Deutschland aus. Die darstellende Künste liegen nicht unbedingt in der Familie. Auch die Eltern des Einzelkindes Tijan, ein Rock-Musiker und eine Pädagogin für Spanisch und Französisch, hatten nie etwas mit Schauspielerei zu tun.


Dies änderte sich, als die brünette Tochter mit elf Jahren von Castern auf den Bundesjugendspielen angesprochen wurde. Dort, wo man ansonsten Sieger- oder Ehrenurkunden gewinnen kann, begann für das Mädchen aus Zehlendorf etwas, das sie nicht mehr losließ. Nach ihrer ersten Mini-Rolle in der Charlotte-Link-Verfilmung "Das Echo der Schuld" mit Anna Loos suchte sie sich mit 15 Jahren eine eigene Agentur und fuhr zu jedem Casting, für das sie infrage kam. Meistens sei sie damals abgelehnt worden, wie auch Jahre später, als sie einmal die Aufnahmeprüfung zur Schauspielschule der UdK Berlin probierte.


Man habe ihr gesagt, sie habe kein Talent, gibt Marei auf Nachfrage zu, begleitet von einem Lachen zwischen Verlegenheit und Spott. Sie sei damals eigentlich ganz froh gewesen über die Absage. Theater wäre ohnehin nicht so ihre Welt, sagt der Quentin Tarantino-Fan - und sie war damals eigentlich schon zu gut im Geschäft, als dass sie sich von einer Schauspielschule die Karriere ausbremsen lassen wollte.


Ja, der Eindruck täuscht nicht: Dieses Mädchen ist ehrgeizig. Allerdings auf andere Art, als Tijan Mareis aufgeräumt wirkenden, schauspielenden Altersgenossinnen. Jene jungen Frauen, die das Verruchte, Verpeilte und Extreme in ihrem Job erst mühsam herstellen, weil sie im Leben selbst eher der Typ Cheerleader oder Klassensprecherin sind. Tijan Marei fällt auf, weil sie vor der Kamera und abseits von ihr völlig anders wirkt: wilder, ambivalenter. Sie ist nicht auf saubere Art schön, sondern wirkt immer so ein bisschen, als habe sie gerade die Nacht durchgemacht. Trotzdem - und das ist Teil ihrer ambivalenten Wirkung - ist die junge Berlinerin ziemlich fokussiert.


Mit fünf Jahren wurde Tijan eingeschult, im Alter von 17 hatte sie ihr Abitur mit dem Notendurchschnitt 1,7 in der Tasche. "Wenn ich zur Schule ging, selbst wenn ich den Sinn darin nicht hundertprozentig gesehen habe, erledigte ich meine Aufgaben so schnell und gut, wie es ging", erinnert sie sich. "So hatte ich genug Freizeit und einen frischen Kopf, um mich auf andere gute Dinge zu konzentrieren. Ich war nie jemand, der sich selbst in einer Spirale von Traurigkeit festsetzt." Pointierte Selbstanalysen wie diese schüttelt Tijan Marei immer wieder nebenbei aus dem Ärmel. "Wenn man so will", lautet eine weitere, "bin ich eine Macherin. Aber immer liebevoll mit Herz und Kreativität."


In den letzten Jahren wurden Mareis Rollen häufiger und größer. Als düster pubertierende Tochter in der Ensemble-Kinokomödie "Affenkönig" war sie ebenso zu sehen wie als junge Verführerin in der hochgelobten Pay-TV Serie "4 Blocks". Dass man sie gerne für Rollen besetze, die mit einer diffusen Rotzigkeit polarisieren, läge wohl daran, dass sie ein Straßenmädchen mit Engelsgesicht sei, sagt sie. Eine weitere Selbstanalyse der Tijan Marei. Die 21-Jährige ist keine, die das Netz der Sicherheit sucht, um es sich dort bequem zu machen. Marei rappt und lernt gerade singen. Sie malt und beschäftigt sich intensiv mit Tanz und Performance-Kunst. Fünf Monate lebte sie mit einer Tanz-Company in Indien - einfach nur so als Erfahrung und der Kunst wegen. Brave Mädchen tun so etwas nicht.


Es ist eine Mischung aus Intelligenz, einem hohen Arbeitsethos und dennoch einer künstlerisch frei schwebenden Seele, die Tijan Mareis Wirkung ausmachen. "Alles, was ich spiele, ist ein Teil von mir. Ein sehr kleiner, den ich groß mache. Meine Vorbereitung auf jede Rolle ist sehr intensiv. Man wird immer besser und schneller dabei. Und dann kommt irgendwann die Leichtigkeit."


Wer Tijan Marei in "Ellas Baby" sieht, fühlt sich nicht nur wegen des ähnlichen Plots an den wunderbaren amerikanischen Independent-Film "Juno" erinnert. Der machte bei den Oscars 2008 überraschend Furore. Ellen Page, die damals mit einer Leichtigkeit der tausend Facetten die jugendliche Titelheldin spielte, war unter anderem als Beste Hauptdarstellerin nominiert.


Auch wenn Tijan Mareis Ella durchaus ein anderer, eigener Charakter ist - ihre Rolle ist ebenso vielschichtig und ein wunderbarer Beweis gegen das Vorurteil der Erwachsenen, Jugendliche seien einfach gestrickt. Auch für die Schauspielerin Tijan Marei gilt diese Feststellung. Von einem besonderen Mädchen, das aus jungen Rollen wahre Zuschauer-Erlebnisse macht, wird man bald mehr hören.


Eric Leimann
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