Er war ein Superstar, er war populär - und so allein

Ein wenig erinnert Falco auf dem Bild, das in einem großen Rundbogen über seinem Grab auf dem Wiener Zentralfriedhof angebracht ist, an eine Fledermaus, die zum Flug ansetzt. Die Arme sind zur Seite gestreckt, der Mantel ist ausgebreitet und der Blick nach oben gerichtet. Dieser Mann liebte die großen Gesten, die Inszenierung, die Show. Bis heute ist er der einzige deutschsprachige Künstler, dem es gelang, mit einer Nummer in seiner Muttersprache an die Spitze der US-Charts zu stürmen (1986 mit "Rock Me Amadeus"). Falco - das ist eine Legende und ein Mysterium, der Mann, der sich hinter der Kunstfigur Falco zu verbergen versuchte, ist bis heute ein Rätsel. Johann Hölzel, wie der österreichische Entertainer mit bürgerlichem Namen hieß, verstarb vor genau 20 Jahren, am 6. Februar 1998, bei einem Autounfall in der Dominikanischen Republik. Am 19. Februar wäre Falco 61 Jahre alt geworden.

Noch heute kennt jedes Kind den Weltstar aus Österreich. Oder eher das Bild, das er nach außen trug: Falco, das war Pose und Pomade, war Stil und Skandal, Exzess und Emotion. Falco war eine Kunst- und Kultfigur, wie es sie heute eigentlich nicht mehr gibt - im Ansatz vergleichbar mit einem David Bowie oder einer Lady Gaga.

Er wolle dereinst sterben wie James Dean, soll der Austrorocker mehrmals geäußert haben. Über seinen tödlichen Verkehrsunfall in der Dominikanischen Republik kurz vor der Veröffentlichung des Albums "Out Of The Dark", in dessen Titelsong es unter anderem heißt "muss ich denn sterben, um zu leben?", wird folglich bis heute viel spekuliert. War es nicht vielleicht doch Selbstmord?


Falcos Texte waren für ihre Doppeldeutigkeit berühmt. Doch ein langjähriger Vertrauter hat nun endgültig genug von Spekulationen und wüsten Deutungsvarianten. "Der Mensch Hans Hölzel hat die Kunstfigur Falco nicht erfunden und so viele Lieder geschrieben, um dann nur durch den Dreck gezogen zu werden", sagt Filmemacher Rudi Dolezal. Er hat seinem Freund im vergangenen Jahr, zum 60., ein einfühlsames Porträt gewidmet, in der er nach eigenem Bekunden "erstmals die ganze Wahrheit" zutagefördert ... "Falco - Die ultimative Doku" (heute, 23.25 Uhr, nochmals bei kabel eins) beleuchtet mit exklusiven Recherchen, bis dato unveröffentlichten Tagebuchnotizen, Interviewausschnitten sowie vielen prominenten Zeitzeugen-Statements die emotionale Berg- und Talfahrt des Künstlers Falco und des Menschen Hans Hölzel, der wohl ein eher sensibler, tiefsinniger Mensch war.


"Wenn ich morgen meinem Gott gegenüberstehe, kann ich ihm sagen: 'Ich bin unschuldig. Ich habe niemanden betrogen, ich habe niemandem wehgetan, außer mir selbst.' Und das wird er mir verzeihen." - Mit solchen Gedanken hat sich Hans Hölzel in Tagebucheinträgen dem Unvermeidlichen entgegenphilosophiert. Hölzel, weiß Dolezal, "war ein witziger, zuvorkommender, intelligenter, belesener, netter, kollegialer Mensch". Und dann gab es Falco: "Der war meistens a Arschloch: angesoffen unerträglich."


Klare Worte, die der seit 5. Februar 60 Jahre alte Dolezal, der einst mit Hannes Rossacher die legendäre DoRo Produktion gegründet und über 2.000 Musikvideos, darunter auch die Clips zu allen Falco-Hits, produziert hat, dann auch nicht kommentarlos wirken lässt. Dolezal: "Warum das so war, das hat vielleicht auch mit diesem unfassbaren Erfolg zu tun. Die Mitglieder der Band Opus, die auch in der Doku vorkommt, sagen, sie waren zu viert, als sie 1984 ihren großen Hit 'Live Is Life' hatten - Falco war allein." In seinem Film, behauptet Dolezal nicht zu Unrecht, lerne man "den Menschen kennen, wie man ihn noch nicht kannte".


Aber ihm ging es auch darum, zu ergründen, "was damals wirklich passiert ist". Gemeint ist natürlich Falcos Lebensende. Um das grauenhafte Szenario, das sich am 6. Februar 1998 auf einer Landstraße nahe Puerto Plata ereignete, rankten sich vor einem Jahr wieder die Boulevardschlagzeilen, nachdem einige Ausschnitte aus Dolezals Doku vorab und wohl auch ein wenig voreilig interpretiert worden waren. Die Faktenlage erklärt Dolezal so: "Es war ein Unfall - Hans Hölzel ist von der Kupplung abgerutscht und fuhr mit seinem Wagen voll in diesen Bus rein. Die Selbstmordtheorie ist vom Tisch." Allerdings sei nun auch klar, dass der damals 40-jährige Falco kurz vor seinem Tod seinen besten Freund Hans Reinisch angerufen hatte - der ehemalige EMI-Chef, der in der DomRep lebt, kommt im Film ausführlich zu Wort. "Das war ein Hilferuf", betont Dolezal. "Der Reinisch ist drei Minuten zu spät gekommen."


Falco war, so erzählt es der Film, damals in einem desolaten Zustand. "Er hatte nicht nur diese eine Nacht durchgemacht, er hatte vorher drei Nächte nicht geschlafen", berichtet Dolezal, den noch immer die Wut packt, wenn er an die damalige Zeit zurückdenkt. Denn: "Falco war lange trocken in der DomRep, er war clean", sagt der Filmemacher. "Aber er ist dann rückfällig geworden mit Alkohol und Drogen." Thematisiert wird im Film, dass sich Hölzel wenige Wochen vor seinem Tod unsterblich in eine junge Frau, Selina, verliebt hatte. "Doch sie trennte sich wieder von ihm, es brach ihm wohl das Herz", so Dolezal, aber die Wahrheit sei eben auch: "Sein Rückfall wurde aus der Heimat importiert. Das Kokain wurde von vermeintlichen Freunden aus Österreich auf die Insel geschleppt, zum Teil im Gitarrenkoffer geschmuggelt, und Falco hatte plötzlich wieder Gefallen gefunden an diesem Leben, das er eigentlich schon hinter sich gelassen hatte."


Doch obwohl der Newswert dieses Porträts beeindruckend ist - kaum einer wusste bisher zum Beispiel, dass Falco einige Wochen vor seinem Tod schon mal einen Autounfall hatte -, sind es am Ende weniger die neuen Fakten zu Falcos Tod, die einen ins Grübeln bringen, sondern die grundsätzlichen Fragen zum Leben eines Superstars, einem Leben unter Beobachtung und Erwartungsdruck der Medienöffentlichkeit.


Falco habe "schon gewusst, dass er genügend Angriffsfläche bietet", sagt der langjährige Wegbegleiter. "Wennst' 15-mal in Hotellobbys umfällst und ins Hotelzimmer geschleift wirst, dann steht's halt am nächsten Tag in der 'Bild'-Zeitung." Deshalb: "Wir können das Denkmal anpinkeln, er hat ja auch nach allen Richtungen gepinkelt, aber wir wollen's nicht umwerfen." Ihm gehe es darum, "dass hier der Mensch und auch der Künstler im Vordergrund steht". Und dass in der Beurteilung unterschieden werde: "Die Figur Falco wurde von Hans Hölzel erfunden, und sie war in sich authentisch: ein bewusster Gegenpol und ein Schutzschild, damit er nichts von sich selbst preisgeben muss."


Würde Falco noch leben, dann wäre er wohl kein exaltierter Superstar mehr, sondern, man höre und staune, "ein erfolgreicher Buchautor", meint jedenfalls Rudi Dolezal. Denn genau davon habe Falco immer geträumt: "Irgendwo schön leben und einmal im Jahr ein Buch schreiben." Und: "Was er sich auch immer gewünscht hatte, war, dass sein Texte beurteilt werden, nicht nur die Hits, die Videos oder er als Person. Er verstand sich als Künstler, er hatte ja was zu sagen - nur wollte das damals keiner hören." Dolezal ist überzeugt: Würde Falco heute in einer Castingshow auftreten, würde er die erste Runde nicht überstehen, denn "jemand wie er entspricht nicht dem gängigen Bild".


Wobei man schon sagen muss, dass Falco auch damals total daneben wirkte - dieser widersprüchliche Wahnsinn von einem Popstar, ein smart gegelter Punk, ein Rock-Philosoph im Anzug, knallte wie ein Fremdkörper in die Popwelt der 80er-Jahre. Aber er passte dennoch irgendwie in die Zeit: als klassischer Antipode. Dolezal: "Boah, haben die Leute gesagt, der traut sich was, der ist geil." Für ihn ist er "ein Weltstar, der einzige aus Österreich, eine Ikone der Popmusik!"


Frank Rauscher
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